Advanced Manufacturing: Wo die Produktion der Zukunft entsteht

Symposium im Hugo Junkers Hangar in Mönchengladbach

Was heute noch nach Science-Fiction klingt, kann morgen bereits zum Geschäftsmodell werden: 3D-gedruckte Bauteile, intelligent überwachte Produktionsprozesse oder Strukturen für Raumfahrzeuge, die künftig direkt im All gefertigt werden. Welche Chancen daraus für Unternehmen und Regionen entstehen, stand im Mittelpunkt des Symposiums „Advanced Manufacturing – Fokus: Aerospace & Dual-Use“ im Hugo Junkers Hangar in Mönchengladbach.

Gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Industrie, Forschung und Wirtschaft ging es um eine zentrale Frage: Wie können aus technologischen Möglichkeiten konkrete Anwendungen, neue Geschäftsmodelle und regionale Wertschöpfung entstehen?

Von Mönchengladbach ins All

Nach einer Führung über den Innovationsflughafen Mönchengladbach gaben Expertinnen und Experten aus Industrie und Forschung Einblicke in aktuelle Entwicklungen.

Dr. Jan Roman Hönnige von Airbus sprach über Trends und wirtschaftliche Perspektiven von Advanced Manufacturing im Aerospace-Sektor. Dr. Juri Munk vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) zeigte Zukunftsperspektiven der Raumfahrt auf, die von 3D-Druck im All bis hin zu neuen Raketenstrukturen und Quantentechnologien reichen. Christopher Mihm von The Exploration Company verdeutlichte am Beispiel von Raumfahrtantrieben, welche Bedeutung die additive Fertigung bereits heute hat.

Prof. Dr. Kai-Uwe Schröder von der RWTH Aachen University richtete den Blick auf Nordrhein-Westfalen und seine Chancen als Raumfahrtstandort. Seine Botschaft: Das technologische Know-how ist vorhanden. Jetzt gilt es, die Stärken besser zu vernetzen und skalierbare Produktionsmodelle zu entwickeln.

Die Technologie ist da. Wie kommt sie in den Markt?

In den anschließenden Workshops ging es deshalb um die entscheidende Frage: Wie schaffen Innovationen den Sprung in die Anwendung? Viele Technologien scheitern nicht an ihrer technischen Machbarkeit, sondern auf dem Weg zum Markt. Um dieses „Valley of Death“ zu überwinden, ist ein frühzeitiges Zusammenspiel von Forschung, Start-ups, Mittelstand und Industrie erforderlich.

Start-ups bringen Geschwindigkeit und Spezialisierung ein, große Unternehmen Erfahrung und Marktzugang. Erfahrene Zulieferer können zudem dabei helfen, neue Technologien in bestehende Wertschöpfungsketten zu integrieren. Für den Mittelstand ergibt sich daraus eine konkrete Chance: Wer frühzeitig Kooperationen aufbaut und Kompetenzen einbringt, kann Teil neuer, industrieller Wertschöpfungsketten werden.

NRW hat gute Voraussetzungen

Die Diskussionen zeigten zugleich, dass NRW bereits über eine starke Ausgangsbasis verfügt: wissenschaftliche Exzellenz, industrielle Kompetenz und innovative Mittelständler.

Besonders interessant ist die Verbindung von Software, Künstlicher Intelligenz und industrieller Hardware. Advanced Manufacturing kann dabei helfen, Produktionsprozesse schneller, flexibler und resilienter zu gestalten. Damit sich die technologischen Stärken jedoch auch in wirtschaftlichem Erfolg niederschlagen, sind auch passende Rahmenbedingungen erforderlich: eine bessere Vernetzung, schnellere Transferwege, verlässliche Förderung und weniger bürokratische Hürden.

Weltraumproduktion als Business Case?

Besonders spannend war der Blick auf die Produktion im All. Skalierbare Fertigungstechnologien könnten neue Märkte erschließen und die Space Economy für deutlich mehr Unternehmen relevant machen.

Für das Rheinische Revier eröffnet sich dadurch eine interessante Perspektive. Initiativen wie das Innovation Valley Garzweiler dienen als Plattform, um Unternehmen und Forschungseinrichtungen zusammenzubringen und gemeinsam neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Auch neue europäische Fördermöglichkeiten bieten Chancen. Damit ist Raumfahrt längst nicht mehr nur ein technologisches Zukunftsthema, sondern kann zu einem konkreten wirtschaftlichen Entwicklungsfeld werden.

Aus Impulsen werden Projekte

Das Symposium hat eines deutlich gemacht: Innovation entsteht dort, wo Kompetenzen zusammenkommen. Im World-Café und in den Workshops trafen Forschung und Industrie, Start-ups und Mittelstand, technologische Ideen und wirtschaftliche Fragestellungen aufeinander. Aus diesem Austausch können neue Kontakte, Kooperationen und konkrete Projekte entstehen.

Genau hier setzt das Innovation Valley Garzweiler an. Es ermöglicht Vernetzung, bringt Wissen zusammen und entwickelt aus technologischen Chancen wirtschaftliche Perspektiven. Denn die Produktion der Zukunft entsteht dort, wo Unternehmen gemeinsam neue Wege gehen und aus Innovation Wertschöpfung wird.

Fotogalerie: Eindrücke des Symposiums